Die Königsklasse im Bobsport – der Viererbob – versprach Hochspannung. Das Können der Schweizer Teams war bekannt, die Erwartungen entsprechend hoch. Doch dass dieses Rennen in die Geschichtsbücher eingehen würde, mit historischem olympischem Edelmetall für die Schweiz, damit hatte im Vorfeld kaum jemand gerechnet.
Das Rennen fand am 21. Februar (Läufe 1 & 2) sowie am 22. Februar (Läufe 3 & 4) statt und versprach Spannung pur. Das Ziel war klar: vorne mitmischen und die etwas ernüchternden Resultate aus dem Zweierbob-Wettbewerb wettmachen.
Am Start standen drei Schweizer Teams:
Team Vogt mit Michael Vogt / Andreas Haas / Amadou David Ndiaye / Mario Aeberhard,
Team Follador mit Cédric Follador / Luca Rolli / Tim Annen / Omar Vögele sowie
Team Rohner mit Timo Rohner / Pascal Moser / Mathieu Hersperger / Cyril Bieri.
Der erste Renntag
Der erste Renntag verlief für zwei der drei Teams sehr positiv. Team Vogt startete mit einer überzeugenden Startzeit ins Rennen und zeigte einen soliden ersten Lauf, was Zwischenrang 6 bedeutete.
Eine beeindruckende Leistung zeigte das Team um Pilot Cédric Follador. Trotz lediglich der 17.-besten Startzeit bewies der Mann aus Bever in der Bahn seine Klasse. Vor allem im mittleren und unteren Streckenabschnitt holte er viel Zeit auf und fuhr auf den starken 4. Zwischenrang vor.
Timo Rohner und seine Crew verloren am Start leider zu viel Zeit, um ganz vorne mitfahren zu können. Dennoch machten sie in der Bahn einige Plätze gut und lagen nach dem ersten Lauf auf Rang 13.
Der zweite Lauf gestaltete sich ähnlich wie der erste. Michael Vogt konnte sich nochmals steigern und schob sich auf Rang 4 vor, direkt vor Team Follador auf Rang 6. Team Rohner beendete den ersten Renntag auf Rang 15.
Entscheidung am zweiten Renntag
Für zusätzliche Spannung sorgte der zweite und entscheidende Wettkampftag. Team Vogt knüpfte an die starken Startzeiten des Vortages an. Ein nahezu fehlerfreier dritter Lauf und die drittschnellste Laufzeit brachten das Team bis auf wenige Hundertstelsekunden an die Medaillenränge heran.
Team Follador hatte nach dem dritten Lauf zwar einen etwas zu grossen Rückstand auf die Medaillen, lag mit Rang 6 jedoch weiterhin in einer hervorragenden Position, um ein Spitzenresultat zu sichern. Timo Rohner zeigte trotz Startnachteilen einen soliden dritten Lauf mit der elftbesten Laufzeit.
Der historische vierte Lauf
Im vierten und letzten Lauf war alles angerichtet für ein historisches Resultat. Team Vogt musste liefern – und sie lieferten. Mit ihrer besten und der zweitbesten Startzeit im gesamten Feld gingen sie in die Entscheidung. Es folgte genau jener Lauf, den sie brauchten: eine grandiose, nahezu perfekte Fahrt.
Die nach drei Läufen drittplatzierten Deutschen verloren auf den letzten Metern 0,04 Sekunden auf das Schweizer Team. Damit schafften Michael Vogt / Andreas Haas / Amadou David Ndiaye / Mario Aeberhard Historisches und holten nach 20 Jahren wieder eine olympische Viererbob-Medaille für die Schweiz.
Die Freude war damit jedoch nicht zu Ende. Auch Cédric Follador konnte seinen 6. Rang im vierten Lauf souverän verteidigen und sicherte sich gemeinsam mit Luca Rolli / Tim Annen / Omar Vögele ein olympisches Diplom – ein hervorragendes Resultat. Team Rohner beendete das olympische Rennen auf Rang 15 und zeigte insbesondere in der Bahn mehrfach starke Abschnitte.
Was für eine Leistung der gesamten Schweizer Delegation! Sie haben den Schweizer Bobsport eindrucksvoll ins Rampenlicht zurückgebracht und bewiesen, dass mit Leidenschaft, Teamgeist und Präzision historische Erfolge möglich sind. Gleichzeitig sind sie Vorbilder für zukünftige Athletinnen und Athleten im Schweizer Sport.
Text: Sven Renggli
Fotos:IBSF / Viesturs Lacis